
Eine Woche, zwei Städte und großes Interesse an der dualen Berufsausbildung: Vom 5. bis 9. Oktober 2026 war Carolin Berger von der AMS Jugend und Bildung GmbH mit zwei Kolleginnen aus Sachsen in Tamil Nadu unterwegs. Bei sieben Schulbesuchen sprach die Delegation mit insgesamt rund 680 Schülerinnen und Schülern über berufliche Perspektiven in Sachsen. Hinzu kamen Besuche von Ausbildungseinrichtungen und Gespräche mit Partnern aus Bildung, Wirtschaft und Politik.
Wie funktioniert eine duale Berufsausbildung in Deutschland? Welche Möglichkeiten bietet Sachsen? Und wie können sich junge Menschen aus Indien auf diesen Weg vorbereiten?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt der „Roadshow Berufsausbildung Tamil Nadu“. Ziel der Reise war es, jungen Menschen die berufliche Ausbildung als Bildungsweg und als möglichen Einstieg in den sächsischen Arbeitsmarkt vorzustellen. Für AMS brachte Carolin Berger insbesondere die Perspektive der Metallausbildung und der Verbundausbildung ein.
Gemeinsam berufliche Perspektiven eröffnen
Den politischen Rahmen für die Roadshow bildet die Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Tamil Nadu. Nach dem Besuch des sächsischen Wirtschaftsministers in Tamil Nadu im November 2025 unterzeichneten beide Seiten im April 2026 eine Absichtserklärung zur Gewinnung von Fachkräften.
Die Roadshow wurde durch die Southern India Chamber of Commerce and Industry (SICCI), das Goethe-Institut Chennai und das Gedee Technical Training Institute (GTTI) unterstützt. Sie verband die direkte Ansprache junger Menschen mit dem Austausch über die praktische Umsetzung der Zusammenarbeit.
Dabei ging es sowohl um berufliche Möglichkeiten als auch um die Voraussetzungen dafür: eine fundierte Vorbereitung, deutsche Sprachkenntnisse und ein realistisches Verständnis davon, was Ausbildung, Leben und Arbeiten in Deutschland bedeuten.
Coimbatore: Große Neugier und beeindruckende Ausbildungspraxis
Die erste Station war die GD School, eine Partnerschule des Goethe-Zentrums Coimbatore. Hier stellte die Delegation 60 Schülerinnen und Schülern das duale Ausbildungssystem und die Möglichkeiten einer Ausbildung in Sachsen vor.
Anschließend besuchte die Gruppe das GTTI. Das Institut gehört zu den Pionieren der dualen Ausbildung in Indien. Besonders beeindruckend war der Einblick in die Ausbildung in den Berufen Mechatroniker und Werkzeugmechaniker. Nach den vor Ort vorgestellten Informationen verfügt das GTTI für diese Berufe über eine A-Zertifizierung der AHK und bildet nach IHK-Standards aus.
Der Besuch machte deutlich, dass es bereits konkrete Anknüpfungspunkte zwischen der Ausbildungspraxis in Tamil Nadu und dem deutschen System gibt. Im benachbarten Goethe-Zentrum können die Schülerinnen und Schüler außerdem Deutschkurse besuchen. Berufliche Qualifizierung und sprachliche Vorbereitung liegen hier unmittelbar nebeneinander.
Am zweiten Tag folgten zwei weitere Schulbesuche: In der Rathinam International Public School sprach die Delegation mit rund 120 Schülerinnen und Schülern der zehnten Klasse. In der Hindusthan International School erreichte sie anschließend etwa 60 Schülerinnen und Schüler.
Damit konnten bereits in Coimbatore rund 236 junge Menschen über die duale Berufsausbildung informiert werden. Am späten Nachmittag ging die Reise mit dem Flug nach Chennai weiter.

Chennai: Sprachliche Vorbereitung und praktische Zusammenarbeit
Der dritte Tag begann mit einem Besuch im SICCI Training Center. Dort nehmen bereits qualifizierte Pflegekräfte an einem Deutschkurs bis zum Niveau B2 teil. Es bereitet die Teilnehmenden auf eine mögliche berufliche Tätigkeit in Deutschland beziehungsweise Sachsen vor.
Auch wenn hier eine andere Berufsgruppe im Mittelpunkt stand, zeigte der Besuch einen wichtigen Bestandteil internationaler Fachkräftegewinnung: Sprachliche Vorbereitung braucht Zeit, klare Ziele und verlässliche Strukturen.
Mittags besuchte die Delegation die RMK School, eine Partnerschule von SICCI. Dort sprach sie mit rund 120 Schülerinnen und Schülern über die Möglichkeiten einer dualen Berufsausbildung in Sachsen.
Am Nachmittag folgte ein Treffen mit SICCI zu praktischen Fragen der Umsetzung der Absichtserklärung. Ein anschließender Round Table zum Thema „Ausbildung und Fachkräftemobilität“ brachte Vertreter aus Politik, Berufsbildung und weiteren beteiligten Bereichen sowie interessierte Schulleitungen zusammen.
Diese Gespräche ergänzten die Schulbesuche um eine entscheidende Perspektive: Wie lassen sich aus dem Interesse junger Menschen konkrete, gut vorbereitete Ausbildungswege entwickeln?
Weitere Schulbesuche mit großem Interesse
Am Donnerstag stand zunächst der Don Bosco Tech Campus auf dem Programm. Mit rund 170 Schülerinnen und Schülern war dies die größte Schülergruppe der gesamten Roadshow.
Danach besuchte die Delegation die Tamil Nadu Government Model School. Dort tauschte sie sich mit etwa 75 sehr interessierten Schülerinnen und Schülern aus.
Am Freitag folgte der Besuch der St. Bede’s School in Chennai. Auch hier standen die Möglichkeiten der dualen Berufsausbildung in Sachsen im Mittelpunkt des Gesprächs mit rund 75 Schülerinnen und Schülern.
Über alle sieben Schulbesuche hinweg erreichte die Delegation damit insgesamt rund 680 junge Menschen. Das große Interesse an einer Ausbildung in Sachsen zog sich durch die gesamte Woche. Für AMS war der direkte Austausch besonders wertvoll, um berufliche Möglichkeiten verständlich vorzustellen und zugleich die Perspektiven der jungen Menschen kennenzulernen.

Bestehende Kontakte vertiefen und neue Verbindungen schaffen
Am letzten Reisetag erhielt die Delegation außerdem die Gelegenheit, das Saxon Science Liaison Office India (SSLO India) zu besuchen.
Den Abschluss bildete die Teilnahme am Empfang des deutschen Generalkonsulats in Chennai anlässlich des Tages der Deutschen Einheit. Auf Einladung des Generalkonsuls kamen dort zahlreiche Menschen zusammen, die die deutsch-indische Zusammenarbeit mitgestalten.
Für Carolin Berger war der Abend auch eine Gelegenheit zum Wiedersehen: Neben bekannten Gesichtern aus der Roadshow traf sie Menschen, die sie bereits während der Delegationsreise im vergangenen Jahr kennengelernt hatte. So konnten bestehende Kontakte aufgegriffen und neue Gespräche begonnen werden.
Was AMS aus der Woche mitnimmt
Die Roadshow hat gezeigt: Das Interesse junger Menschen in Tamil Nadu an einer Ausbildung in Sachsen ist groß. Rund 680 Schülerinnen und Schüler konnten unmittelbar erreicht und über diesen Bildungsweg informiert werden.
Für AMS ist das ein ermutigendes Signal. Zugleich braucht der Weg vom ersten Interesse bis zum Ausbildungsbeginn eine sorgfältige Vorbereitung. Dazu gehören sprachliche Kompetenzen, passende Ausbildungsbetriebe, klare Erwartungen und eine verlässliche Begleitung.
Als Anbieter der Verbundausbildung im Metallbereich kann AMS Unternehmen bei der Vermittlung vereinbarter Ausbildungsinhalte unterstützen. Der Partnerbetrieb bleibt dabei Arbeitgeber der Auszubildenden; der Umfang der Ausbildung bei AMS wird gemeinsam vereinbart.
Die Gespräche in Coimbatore und Chennai haben neue Anknüpfungspunkte geschaffen und bestehende Verbindungen gestärkt. Darauf lässt sich aufbauen – gemeinsam mit den Partnern in Tamil Nadu und Unternehmen in Sachsen.